Improvisieren, Vertrauen und Bescheidenheit

Vor mehr als zwei Jahren beendete Lukas Huber seinen Zivildiensteinsatz auf Madagaskar. Mit einem Maschinenbau-Bachelor in der Tasche engagierte er sich fürs Centre Ecologique Albert Schweitzer.

Lukas Huber verbrachte als Spezialist für kleine Windkraftanlagen 9 Monate auf Madagaskar. Gemeinsam mit lokalen Handwerkern entwickelte und installierte Lukas Huber die erste zu 100 % madagassische Low-tech-Windkraftanlage. Ein Projekt, dass ebenso zur Innovation beiträgt wie zur nachhaltigen Entwicklung. Mittlerweile ist Lukas Huber wissenschaftlicher Mitarbeiter der ETH Lausanne. Hier beantwortet er Fragen von Patrick Kohler, stv. Direktor des Centre Ecologique Albert Schweitzer.

Nach Ihrer Rückkehr haben Sie Ihr MA-Studium beendet, um sich an der ETH Lausanne zu engagieren. Inwiefern hilft Ihnen Ihre madagassische Erfahrung?
Ich ziehe daraus enormen Nutzen in meinem Alltag. Besonders die Improviations-Fähigkeit der Madagassen, die sich täglich an Unvorgesehenes oder an rasch ändernde Situationen anpassen müssen. Das gibt mir viel Selbstvertrauen. Auch Mut, Dinge einfach selbst zu probieren, ohne eine perfekte Lösung anzustreben. In der Schweiz haben wir ja die Tendenz, nichts zu unternehmen, bis die kleinsten Details eines Projekts evaluiert sind, weil wir nach Perfektion trachten. In Madagaskar hingegen lernt man, während man etwas versucht, macht Fehler und versucht es nochmals. Mitterlweile glaube ich, beide Kulturen in mir drinnen zu haben – was im Forscher-Alltag sehr nützlich ist.
 
Welcher Moment hat Sie am meisten geprägt?
Das ist ganz eindeutig der Moment, als wir die Windkraftanlage in Betrieb nahmen, die wir am Dorfrand errichtet hatten. Wenige Augenblicke vorher zückte der Dorfälteste seine Pfeife, um so nach Hilfe zu rufen. In wenigen Minuten kamen Dutzende Personen auf dem Feld zusammen. Sie wollten alles sehen, wissen, berühren und Fragen stellen. Die Aufregung erreichte den Höhepunkt, als wir die Stange der Anlage aufrichteten. In diesem Augenblick realisierte ich, wie gross das Interesse und der Enthusiasmus waren, die dieses Projekt auslöste – und die Verantwortung, die ich auf den Schultern trug.

Welchen Rat geben Sie Leuten, die an solchen Einsätzen interessiert sind?
Dass sie nicht zögern sollen. Man lernt dabei so viel. Man muss muss mit enormen Erwartungen und Verantwortungen zurecht kommen – unter Berücksichtugung der lokalen Kultur und Fachkennentisse. Es ist auch eine Schule der Bescheidenheit, die zeigt, dass auch wir selbst vor Ort sind, um zu lernen.

 

Das Centre Ecologique Albert Schweitzer

Das CEAS ist eine schweizerische NGO im Bereich technischer Zusammenarbeit, die auf technische Innovationen spezialisiert ist, die helfen sollen, die Armut in Afrika mit Mitteln zu reduzieren, die Wirtschaft und Ökologie zusammenbringen. Seit 1980 ermöglicht das CEAS es jungen Frauen und Jugendlichen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern – mit Forschungs- und Bildungsprogrammen, die auf dem ganzen Kontinten zugänglich sind. Das CEAS ist ZEWO-zertifiziert, Mitglied des Schweizer Verbands für Personelle Entwicklungszusammenarbeit und wird von der  Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA unterstützt.