Mücke aus dem letzten Jahrhundert

Editorial von Lisa Mazzone

Geht es nach Guy Parmelin, seines Zeichens Vorsteher des WBF (nicht mehr des VBS!), bedroht die Zunahme an Zivildienstleistenden die Sicherheit der Schweiz. Zivildienstleistende, eine Gefahr für die Schweiz? Nicht, wenn es nach meiner Grossmutter geht, die im Altersheim von Zivis beim Essen und Spazieren unterstützt wird. Auch mein Neffe sagt etwas anderes, wenn er vom Zivi berichtet, der seine Lehrerin entlastet. Das Gleiche gilt für meine Nachbarin, die in einem Spital arbeitet, wo Zivis Einsätze leisten.
Der Zivildienst ist eine Institution, die der ganzen Gesellschaft Nutzen bringt. Krippen, Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Bauernhöfe und Museen sind nur einige Orte, an denen wir Zivis brauchen. Durch ihren Entscheid akzeptieren die Zivis, 1,5-mal so lange Dienst zu leisten, wie sie im Militär leisten müssten. Wenn man jung ist und studiert oder beruflich stark eingespannt ist, ist das keine kleine Sache.
Welche Mücke hat eigentlich den Bundesrat gestochen, als er beschloss, dieses Engagement zu bestrafen und die Anzahl Zivis zu verringern, und sei es auf Kosten des Diensts an der Allgemeinheit? Er selbt hat ja prognostiziert, dass «Einsatzbetriebe davon betroffen sein werden, besonders in Tätigkeitsbereichen, in denen die zur Erfüllung der Aufgaben an der Gemeinschaft nötigen Mittel ungenügend sind oder fehlen»?
Es ist eine Mücke aus dem letzten Jahrhundert, die um Armeekader herum fett wurde und die den Zivildienst als Gefahr auffasst. Es ist die ideologisache Position derer, die es nie verdaut haben, dass die Gewissen von Verweigerern nicht mehr von Uniformierten beurteilt werden. Sie sind blind für den vom Zivildienst an der Wirtschaft und an der Kohäsion des Landes erbrachten Nutzen.
Es ist nicht die Position von CIVIVA, genau so wenig wie jene der fast 300 Verbände und Einsatzbetriebe, die sich gegen die Revision des Zivildienstgesetzes und die Zulassungs-Verschärfungen engagieren. Der Ball liegt nun beim Parlament. Wir werden bald an den Abstimmungsurnen stehen, sollte das Parlament nicht auf diese Revision verzichten.